| Was war der Anlaß zur Gründung von GAST-EPIC? |
|
Der Flughafen München - Franz Josef Strauß - ging 1992 in Betrieb. Am Flughafen war eine Polizeidirektion entstanden. Diese hatte alle allgemeinpolizeilichen Aufgaben am Flughafen wahrzunehmen. Dazu gehörte die Verkehrsüberwachung, die schutzpolizeiliche Betreuung und die Bekämpfung der Kriminalität. Im Rahmen dieser Aufgaben hat die Polizeidirektion (PD) auch Vorsorge zu treffen um zum Beispiel bei Flugzeugentführungen, Großen Schadensereignissen (heute: Große Schadenslagen) gerüstet zu sein. Bei solchen Ereignissen, bei der Polizei sagt man dazu "Lagen", kann es vorkommen, daß viele Menschen in großer Sorge um den Verbleib oder das Wohlergehen von Verwandten oder Freunden sind. Wohin können sie sich wenden? Wo bekommen sie Auskunft? Wer koordiniert alle anfallenden Informationen? Theoretisch war das ja alles geregelt. Funktioniert das aber auch im Ernstfall? Zu dieser Zeit war ich Leiter der Polizeidirektion Flughafen München. Wir hatten uns schon Gedanken gemacht. So richtig gut habe ich in dieser Zeit nicht geschlafen. Einen Raum, in der Nähe unserer Einsatzzentrale haben wir dann mit zehn Telefonen ausgestattet und waren der Ansicht, daß wir damit gut gerüstet seien. Ansonsten hatten wir ja keine große Erfahrung (mit der Informationsbewältigung). Da kam eines Tages eine englische Dame zu mir, stellte sich vor und fragte, wie denn die Polizei für einen größeren Schadensfall gerüstet sei. Es war Trisha Windsor aus London. Ich erklärte ihr unsere Vorbereitungen und war ganz stolz auf unsere bisherigen Übungen und auf die Ausstattung. Sie war einigermaßen angetan von allem. Immerhin besser als im übrigen Deutschland meinte sie. Aber dann kam der Hammer. Ob ich wirklich meine, daß ich mit dem "Kammerl" (bayerisch - bescheidener Raum) im Ernstfall zurecht käme. Kurz und gut - sie lud meine Kollegen und mich nach London ein, um uns zu zeigen, wie man so etwas professionell managt. Wir flogen also nach London und schauten uns am Flughafen Heathrow an, wie die englische Polizei in Verbindung mit den Fluggesellschaften am Flughafen, allen voran British Airways, so eine Lage bewältigt. Die hatten Erfahrung mit dem Flugzeugabsturz der "Maiden of Sea" bei Lockerbie und anderen Luftfahrtunfällen. Wir haben sehr schnell begriffen. Was macht man, wenn die Anrufe in kurzer Zeit in die Tausende gehen? Wie geht es den Anrufern, die sich mit "Buchbinder Wanninger" verbunden fühlen? Da mußten wir einfach etwas tun. Zurück in München haben meine Kollegen und ich sofort angepackt. Kurze Zeit später begann in einem nicht mehr vollständig ausgerüsteten Luftschutzkeller, der inzwischen als Lager umgerüstet war, die Arbeit. Es war nicht ganz einfach. Manche zunächst ablehnende Haltung mußte überwunden werden. Aber wir ließen nicht locker. Unser Innenministerium hat uns toll unter die Arme gegriffen und eine Menge Geld für die Telefonanlage locker gemacht. Aber was macht man, wenn man nicht mehr weiter weiß? Wir gründeten einen Verein, nahmen einen Kredit auf, für den wir persönlich bürgten, und fingen einfach an. So entstand ein "Call-Center" für Unglücksfälle. Die Details können Sie aus den weiteren Informationen ersehen. Die Luftverkehrsgesellschaften am Flughafen waren sofort dabei. Herr Gutschi, er war zu der Zeit der Chairmann (Vorstand) beim AOC (Airline Operators Committee), der Vereinigung der Stationsleiter am Flughafen, nahm sich engagiert um die Sache an. Herr Jürgensen von KLM und Frau Dagmar Forster von BA schoben kräftig mit an. Die Flughafen München GmbH mit Herrn Hermsen war an der Spitze dabei. Es wurde eine Erfolgsstory, wenn auch mit traurigen Anlässen. Mit freundlichen Grüßen - Ihr Wolfgang Ernst PS: GAST setzt sich aus den Worten "Gemeinsame Auskunftsstelle" zusammen. Und EPIC sind die Anfangsbuchstaben von "Emergency procedure information center". Weil wir international tätig sind verwenden wir den deutschen und den englischen Begriff. |